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Unsere neuen Glocken

Glockengießerei 17 12 08 1

Süßer die Glocken nie klingen......

 

„Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden,
Frisch, Gesellen! seyd zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben. (...)"

Als Friedrich Schiller im Jahre 1799 „Das Lied von der Glocke“ vollendete, wurden in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock bereits seit über hundert Jahren Glocken hergestellt. Noch heute wird das Handwerk in dem westfälischen Städtchen Gescher fast unverändert ausgeübt.
 
Um bei dem Guss der beiden neuen Glocken für unsere Pfarrkirche dabei zu sein, brachen am 7. Dezember nach Empfang eines Reisesegens 16 Gemeindemitglieder zwischen 8 und 88 Jahren in freudiger Erwartung ins Münsterland auf. Der Regen beim Zwischenstopp am Münsteraner Weihnachtsmarkt tat der guten Stimmung keinen Abbruch.
Nach einem gemeinsamen Abendessen kehrten alle in ihre jeweiligen Hotels in Gescher ein und harrten des nächsten Morgens. Gestärkt von einer geruhsamen Nacht und einem üppigen Frühstück traf sich die Gruppe erwartungsfroh um 10 Uhr an der Glockengießerei "Petit & Gebr. Edelbrock". Herr Matthias Bethge begrüßte die Gäste und begleitete die Falkenseer freundlich und kompetent durch den Tag. Er führte durch die Gießerei und erklärte den arbeitsintensiven und, wie er betonte, noch immer für alle Beteiligten aufregenden Prozess des Glockengießens. Wie eine Broschüre der Gießerei erklärt:

„Der Glockengießer errechnet nach Ton, Durchmesser und Gewicht die "Rippe", das Profil der künftigen Glocke. Er zeichnet sie auf ein Buchenbrett, das später als Schablone dienen wird. Die Schablone wird entlang der inneren Kontur ausgeschnitten. Sie wird an einer Spindel drehbar befestigt und über dem Formstand in der "Grube" angebracht. Der Schablone folgend, wird nun der erste Teil der Glockenform, der "Kern" hohl mit Ziegeln aufgemauert. Darauf wird mit Zusätzen vermengter Lehm von Hand aufgetragen. Durch den Hohlraum kann die Kernform von innen heraus beheizt werden, um auszutrocknen und gebrannt zu werden. Diese Arbeitsgänge werden mit immer feinerem Lehm so lange wiederholt und mit der Schablone rundherum abgestrichen, bis ein glatter, die Schablone genau ausfüllender Kern entstanden ist. Er entspricht dem Inneren der Glocke, dem Hohlraum. Alle Formarbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch, da jede einzelne Lehmschicht trocken sein muss, bevor die nächste aufgetragen werden kann.
Im nächsten Schritt wird die Schablone entlang der äußeren Kontur ausgeschnitten; so entsteht das Maß für das Modell der Glocke, das "Falsche Glocke" genannt wird. Auch sie entsteht durch fortgesetztes Auftragen der immer feiner werdenden Lehmschichten bis die Schablone ausgefüllt ist. Zuletzt erhält die Falsche Glocke mit der Schablone eine Trennschicht aus Fett, auf die Verzierungen und Schriften aus Wachs aufgesetzt werden. Die Falsche Glocke ist ein genaues Abbild der künftigen Glocke.
Im folgenden dritten und letzten Formabschnitt wird der "Mantel" gefertigt. Hierzu hat die Schablone ausgedient. Zunächst bringt man sehr feinen Lehm auf die Falsche Glocke. Die darauf folgenden Schichten, die zudem armiert werden, sind zunehmend gröber. Wieder wird die Form beheizt und jeder Lehmauftrag getrocknet, bevor der nächste folgt, bis der Mantel die erforderliche Stärke hat. Das Wachs der Glockenzier auf der Falschen Glocke ist durch den Trockenvorgang weggeschmolzen. Beim Abheben des Mantels zeigt seine Innenwand nun alle Schriften und Verzierungen im Negativ.
Die Falsche Glocke hat nun ausgedient und wird vom Kern entfernt. Der Mantel wird wieder über den Kern gestülpt. Dazwischen ist der Hohlraum entstanden, den vorher die Falsche Glocke eingenommen hat und der beim späteren Guss mit Bronze gefüllt wird."

Die Handwerker hatten bereits alles vorbereitet. Die beiden Glockenformen waren bis auf das jeweilige Gussloch in der Erde vergraben, damit die Mantelformen den Druck der Schmelze beim Guss aushalten. Die Bronzeschmelze, eine Mischung aus Kupfer und Zinn, war auf etwa 1100 Grad erhitzt. Mit Gebet und Lied wurde Gottes Segen erbeten, bevor mehrere Männer den Kessel mit der flüssigen Schmelze zur Glockenöffnung beförderten. Bei andächtiger Stille der anwesenden Gäste füllten die Glockengießer mit größter Sorgfalt die erste Form mit etwa 500 kg Bronzeschmelze.
Da für die zweite Glocke wegen des begrenzten Fassungsvermögens des Schmelzofens erst eine neue Glockenspeise bereitet werden musste, blieb Zeit für ein gemütliches Mittagessen.
Die kleinere, etwa 300 kg schwere Glocke wurde gegen 13.30 Uhr gegossen – ebenfalls unter der inzwischen fast fachmännischen Aufsicht der Falkenseer Gäste.
Tief beeindruckt wurde die Rückreise mit dem Bus angetreten, der die Gruppe gegen 22 Uhr sicher zur Pfarrkirche zurück brachte.
Es war für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, gleich welchen Alters, eine spannende Erfahrung, die sicherlich nicht sobald in Vergessenheit geraten wird. Herzlichen Dank an die Mitarbeiter der Glockengießerei sowie an die Organisatoren der Fahrt für die gute Vorbereitung!
Mit Spannung wird nun erwartet, ob die ausgegrabenen, gereinigten und polierten Glocken die musikalische Prüfung bestehen, um dann künftig in St. Konrad den Ton anzugeben.
Monika Schattenmann

 

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