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Aus der Ukraine

Husar Ljubomir

Am Mittwoch, 31. Mai 2017, verstarb in Kiew der Großerzbischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK), Ljubomyr Kardinal Husar, im Alter von 85 Jahren.

Im Dezember 2000 von der Synode der UGKK in dieses Amt gewählt, wurde er im Januar 2001 durch den Papst als Großerzbischof bestätigt. Nur einen Tag nach der Bestätigung durch Rom verlieh ihm Papst Johannes Paul II. die Kardinalswürde. Als Großerzbischof leitete er zehn Jahre lang die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, zunächst mit dem Amtssitz in Lemberg (Lviv). Im Jahre 2005 wurde der Sitz des Großerzbischofs von Lemberg nach Kiew verlegt. Seitdem führte er den Titel "Großerzbischof von Kiew und Halytsch". (Von der mittelalterlichen Fürsten- und Königsstadt Halytsch in der Westukraine leitet sich die Bezeichnung 'Galizien' für die ganze Region im Westen der Ukraine wie auch im Südosten Polens ab.) Die Bezeichnung 'Großerzbischof' entspricht dem Patriarchentitel, und so wurde er innerhalb der UGKK auch oft als 'unser Patriarch' bezeichnet. Doch haben die Päpste den Großerzbischöfen der UGKK nie den Patriarchentitel zuerkannt, wohl aus ökumenischen Gründen, mit Rücksicht auf den Patriarchen der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Kiew sowie den Moskauer Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, die in der Ukraine ebenfalls viele Gemeinden hat. Dabei war Kardinal Husar zeitlebens nicht nur ökumenisch interessiert, sondern setzte sich aktiv für eine lebendige Ökumene zwischen der UGKK und den drei orthodoxen Kirchen in der Ukraine ein. Er konnte sich sogar eine gemeinsame Ostkirche in der Ukraine vorstellen, feiern doch alle die gleiche byzantinische Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus, mit dem einzigen Unterschied, dass in der Liturgie der UGKK auch für den römischen Papst gebetet wird.

Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche war 1596 durch die Union von Brest-Litowsk entstanden und ist mit der Römisch-Katholischen Kirche uniert. Sie ist die größte katholische Ostkirche überhaupt. In der Sowjetunion von J.W.Stalin 1946 verboten, wurde sie 45 Jahre lang unterdrückt und verfolgt. Ihre Bischöfe und Tausende ihrer Priester und aktiven Laien wurden nach Sibirien in die berüchtigten Arbeitslager des Archipel GULAG verbannt. Erst seit 1991 wieder in Freiheit, umfasst sie heute ca. fünf Millionen Gläubige, von denen die meisten in der Westukraine leben. Doch auch in Deutschland und Westeuropa gibt es Gemeinden der UGKK mit einem eigenen Bischof in München, ebenso in Amerika. Lesen Sie auf der Seite des Osteuropa-Hilfswerkes RENOVABIS einen Nachruf und ein ausführliches Lebensbild von Kardinal Husar.

Im Jahre 2005 konnte Pfarrer Pullwitt in Ivano-Frankivsk (früher Stanislau) in der Ukraine anlässlich der Bischofsweihe des dortigen Dompfarrers Mykolaj Simkajlo zum neuen Bischof von Kolomyja-Tschernowitz Kardinal Husar, der auch ausgezeichnet Deutsch sprach, persönlich begegnen.