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Neue Glocken für St. Konrad

2017 11 09 Falsche Glocke Marien9. November - Anbringung der Glockenzier für die Marienglocke

"Festgemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt...", dichtete Friedrich v. Schiller im Jahre 1799.

Wer hat nicht diese Ballade in seiner Schulzeit lernen müssen? In der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher (Münsterland) wurden bereits über 100 Jahre lang Glocken gegossen, bevor Schiller 1799 seine Ballade dichtete.

Am Handwerk des Glockengusses hat sich seit Jahrhunderten im Wesentlichen nichts geändert. Hier sehen Sie eine unserer beiden Glockenformen, die Marienglocke, auf der das Wachsbild der Gottesmutter gerade angebracht wird. Es ist die sog. 'Falsche Glocke', um die herum der Mantel der Glockenform angefertigt wird. Vanessa v. Wendt, zu unserer Gemeinde gehörende Künstlerin, hat die Bilder der Gottesmutter und des Hl. Konrad v. Parzham als Wachsmodelle angefertigt, die die Glocken zieren werden.  

Im Februar 2017 hatte unser Kirchenvorstand der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock den Auftrag zum Glockenguss erteilt. Nun ist der Guss unserer beiden Glocken am Freitag, 8. Dezember, dem Hochfest "Mariä unbefleckte Empfängnis" erfolgt. Unsere Gemeinde war dabei, etwa 20 Gemeindemitglieder sind am Tag zuvor mit einem Bus nach Gescher gefahren und haben den Guss beider Glocken direkt miterlebt. Am Vormittag wurde die St. Konrad-Glocke gegossen, am Nachmittag die kleinere Marienglocke. Mit dem Lied "Lobe den Herren" und mit Gebet und Fürbitten wurde der Glockenguss begonnen; nach dem Guss der Konrad-Glocke sangen alle das St. Konrad-Lied "Bruder Konrad, lehr uns schweigen". Die beiden Glocken für unsere Gemeinde waren die einzigen, die an diesem Tag gegossen wurden; so waren unsere Gemeindemitglieder an diesem Tag auch die einzigen Gäste in der Gießerei. Deshalb war auch nicht der große gemauerte Ofen angeheizt worden, in dem Kupfer und Zinn für sieben oder acht Glocken geschmolzen werden können, sondern ein kleinerer heizölbefeuerter Schmelztiegel aus Stahl, der höchstens 500 kg Glockenbronze für jeweils eine Glocke fasst. Einen Erlebnisbericht vom Glockenguss werden Sie in Kürze hier lesen und auch manche der vielen Fotos sehen können, die beim Glockenguss gemacht wurden.

Zuvor hatte uns ein Mitarbeiter der Glockengießerei, Matthias Bethge, den gesamten Vorgang des Glockengusses, der im wesentlichen nach wie vor Handarbeit ist, erläutert und an Modellen aufgezeigt: den Bau des inneren Kernes, die Anfertigung der sog. 'falschen Glocke' mittels einer 'Rippe', die vom Glockengießer exakt berechnet wird entsprechend der Größe und dem geplanten Ton der Glocke und aus Holz geschnitten wird, die Anbringung der Glockenzier sowie die Herstellung des äußeren Glockenmantels. Von den beiden Glockenformen für die Glocken unserer Kirche war freilich nichts zu sehen, denn sie waren "festgemauert in der Erden"; zu sehen war nur das Loch zum Einfließen der Bronze und daneben zwei Löcher zum Entweichen der Luft aus der Glockenform, die sog. 'Windpfeifen'. Die äußeren Glockenformen, die Mäntel um die Glocken waren am 24. November von den sog. 'falschen Glocken' abgehoben worden. Danach waren die 'falschen Glocken' entfernt worden und der Mantel für beide Glocken wieder aufgesetzt worden, bevor die Glockenformen in der Erde 'begraben' wurden. In den Hohlraum zwischen innerem Glockenkern und äußerem Glockenmantel ist die glühende Bronze hineingeflossen. Nun müssen die Glocken in der Erde abkühlen. Etwa in der Mitte der zweiten Adventswoche (12./13. Dezember) können sie ausgegraben werden – alles in Handarbeit mit Spaten und Schaufel. Wenn sie ausgegraben, gereinigt und in einem Bock aufgehängt sind, wird der Glockensachverständige mit Stimmgabeln den Ton prüfen, der sich bei jeder Glocke aus verschiedenen Einzeltönen zusammensetzt. So prüft er, ob der Glockenguss gelungen ist, und gibt am Ende die Glocke zur Auslieferung an den Auftraggeber frei. Auch diesen letzten Teil des Glockengusses hatte uns Herr Bethge zum Schluss erläutert und anhand einer Glocke im Hof der Gießerei zu Gehör gebracht.

2017 11 24 Marienglocke web24. November - Abheben des Glockenmantels

2017 11 24 Marienglocke Form innen webGlockenmantel der Marienglocke von innen2017 11 24 Zerschlagung Falsche Glocke web24. November - Entfernung der 'falschen Glocke'Der Bau des neuen Glockenstuhles und des elektrischen Läutewerkes werden vom Erzbistum Berlin mit einem Zuschuss gefördert; den Guss der neuen Glocken jedoch muss unsere Pfarrgemeinde selbst tragen. Deshalb sind Spenden für die neuen Glocken nach wie vor jederzeit willkommen. Der Kirchbauverein St. Konrad e.V. hatte beschlossen, den Glockenguss finanziell zu fördern; ebenso hat die Mittelbrandenburgische Sparkasse mit Sitz in Potsdam unserer Kirchengemeinde im Juni 2017 eine Förderzusage für den Guss der neuen Glocken überreicht und bereits eine namhafte Spende überwiesen. Bei der Glockenkollekte am Osterfest sind mehr als 800,- € gespendet worden, wofür der Kirchenvorstand ein herzliches "Vergelt's Gott" sagt. Die nächste Gemeindekollekte für diesen Zweck ist am 2. Weihnachtstag, dem 26. Dezember (St. Stephanus-Tag). In Falkensee werden die neuen Glocken jedoch wohl frühestens im Januar zu sehen sein. Eine Zimmereifirma aus Nohra bei Weimar baut einen neuen Glockenstuhl, da der jetzige Glockenstuhl nur für eine Glocke ausgelegt ist. Wann die Glockenweihe und die Anbringung der Glocken im Turm von St. Konrad sein wird und wann unsere neuen Glocken zum ersten Mal erklingen werden, steht noch nicht fest.

Alle Fotos auf dieser Seite: © Manfred Jung, Coesfeld.